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"Manchmal passieren diese Dinge im MMA!"

Das Gute, das Schlechte, das Kuriose von Strikeforce.

von GroundandPound 14.01.2013

Strikeforce ist Geschichte. An diesem Wochenende hielt die kalifornische Organisation ihre letzte Veranstaltung ab. In dieser Kolumne blicken unsere Redakteure auf sieben Jahre Strikeforce zurück und erinnern sich an das Gute, das Schlechte und das Kuriose.

Alexander

Der Nashville-Brawl
Der Strikeforce-Moment, den ich wohl nie vergessen werde, ist die Rangelei im Anschluss an Jake Shields' Sieg über Dan Henderson. Jason Miller forderte direkt im Käfig einen Rückkampf gegen Shields um den Titel und wurde dafür von Shields' Teamkollegen feige attackiert. Peinlich genug, aber dann sagt auch noch Kommentator Gus Johnson den schlimmsten Satz überhaupt, den ich ihm nie verzeihen kann: "Sometimes these things happen in MMA." Für Strikeforce war damit nach zwei Veranstaltungen bereits die Kooperation mit dem TV-Sender CBS vorbei. Noch bevor die UFC mit FOX kooperierte, hatte Strikeforce eine Partnerschaft mit dem quotenstärksten Sender der USA. Ein Verlust, von dem man sich nicht mehr erholen konnte, und für mich auch der Anfang vom Ende von Strikeforce.

Alles für die Fans
Was ich an Strikeforce vermissen werde, ist der Mut der Veranstalter. Egal, ob es um Partnerschaften mit TV-Sendern ging oder um Kooperationen mit anderen Promotions wie DREAM oder M-1 Global, Strikeforce ließ nichts unversucht, um die Fans bei Laune zu halten. Welcher Veranstalter hätte sonst zu der Zeit Frauen, Schauspieler oder Ex-Football-Spieler ins Hauptprogramm gepackt oder sich wie 2007 getraut, ein Vier-Mann-Turnier an einem Abend abzuhalten? Auch wenn dabei vielleicht manchmal der sportliche Aspekt in den Hintergrund trat, Strikeforce versuchte zumindest alles, um mit der UFC Schritt zu halten. Konkurrenz belebt das Geschäft, und mit Strikeforce tritt der letzte ernstzunehmende Gegner ab. Schade.

Christian

Dan Henderson demoliert Fedor Emelianenko
Angekündigt als Kampf der Legenden kam es am 30. Juli 2011 zum Duell zwischen Dan Henderson und Fedor Emelianenko. Nach zwei Niederlagen wollte der letzte Eroberer auf die Siegesstraße zurückkehren. Beide legten los wie die Feuerwehr und Fedor schaffte es, den über 40-jährigen Amerikaner in Bedrängnis und auf den Boden zu kriegen. Was dann passierte, war so überraschend wie erschreckend. Hendo sweepte die ehemalige Nr. 1 der Welt und verpasste ihm eine seiner berühmten Bomben, die den Russen ins Land der Träume schickte, aus dem er erst wieder erwachte, als ihm der ehemalige Strikeforce-Champion noch ein paar Schläge verpasste. Ein erschreckender Moment, wie einerseits die Legende um den Mann aus Stary Oskol weiter zerstört und andererseits Hendos Reputation immer größer wurde.

Alistair Overeem und Strikeforce gehen getrennte Wege
Das Schwergewichtsturnier von Strikeforce sah sehr gut aus. Viele freuten sich auf einen Kampf zwischen Alistair Overeem und Fedor Emelianenko zu einem späteren Zeitpunkt der Veranstaltung. Dazu sollte es nie kommen. Der mehrmalige Sambo-Weltmeister verlor schon sein erstes Gefecht gegen Antonio Silva. Der Niederländer schaffte es zwar, sich gegen Fabricio Werdum durchzusetzen, zog sich dabei allerdings eine Fußverletzung zu, die schlussendlich zur Trennung mit Strikeforce führte. Diese hatten ihm nach eigenen Angaben zugesichert, die zweite Runde im Oktober/November 2011 zu starten, zogen dies allerdings vor. Andererseits trennte sich Zuffa zu diesem Zeitpunkt von allen Golden-Glory-Kämpfern, wegen der Zahlungen, die man zuerst an das Management und nicht an die Kämpfer richten sollte. Nachdem man dies änderte, wurde das ehemalige Halbschwergewicht von der UFC unter Vertrag genommen. Dem Grand Prix und auch Strikeforce tat dieser komische Abgang nicht gut; für mich ein Anfang vom Ende der Promotion.

Florian

Daniel Cormiers Run an die Spitze der Schwergewichtsklasse
Mein Strikeforce-Lieblingsmoment war kein einzelner Schlag, Kampf oder ein Event, sondern mit dem ziemlich unerwarteten und schnellen Aufstieg Daniel Cormiers eine klassische Feel-Good-Story. Sich in kurzer Zeit auf dieses hohe Niveau zu kämpfen, eine sich bietende Riesenchance beim Schopf zu packen und sie dann so konsequent zu nutzen, verdient einfach Respekt. Vom Ersatzkämpfer mit wenig Erfahrung zum klaren Sieger des Schwergewichtsturniers - Cormier hat den amerikanischen Traum in der MMA-Version wahr gemacht. Mit ihm könnte Strikeforce kurz vor dem Exitus noch einen sehr langlebigen Star herangezüchtet haben.

Jan

Wie alles begann
Kein Strikeforce-Rückblick wäre ohne die Erwähnung deren erste MMA-Veranstaltung komplett. Am 10. März 2006 präsentierte die kalifornische Organisation erstmals MMA-Kämpfe – vor 18.625 Zuschauern im ausverkauften HP Pavilion in San Jose, der sich in den weiteren Jahren zum Strikeforce-Hauptquartier entwickeln sollte. Bereits mit dieser Veranstaltung schrieb Strikeforce Geschichte, denn es war die erste sanktionierte MMA-Veranstaltung in Kalifornien. Der Hauptkampf war ein Duell, das an UFC 1 erinnerte: Shamrock gegen Gracie. Aber nicht Ken und Royce, sondern Frank und Cesar stiegen in den Käfig. Außer ihnen sorgten spätere Stars wie Cung Le, Gilbert Melendez, Nate Diaz, Josh Thomson und Clay Guida für ein erfolgreiches Debüt.

Frauen an die Macht
Gina Carano, die im Anschluss an ihre Strikeforce-Karriere nach Hollywood ging, und Cristiane „Cyborg“ Santos standen sich am 15. August 2009 im größten Frauenkampf der Geschichte gegenüber. In Zeiten, in denen es noch kein Invicta FC gab, förderte Strikeforce die Kämpferinnen – und das in mehreren Gewichtsklassen. Das breite Interesse, das der Kampf zwischen Carano und Santos hervorrief, bestätigte sie darin. Auf Carano und Santos folgte Ronda Rousey, die im Februar in der UFC debütieren wird. Es ist fraglich, ob sie diese Chance auch ohne die Vorarbeit ihrer beiden Kolleginnen bekommen hätte.

Mark

Nick Diaz schickt Frank Shamrock in Rente

Ich bin kein sonderlich großer Frank Shamrock-Fan. Aber ich liebe Nick Diaz. Man muss also nicht studiert haben, um sich denken zu können, was mein Lieblings-Strikeforce-Moment war. Nach dem Niedergang von EliteXC, und der Übernahme derer Kämpfer durch Strikeforce, wurde schnell ein Duell zwischen Diaz und Shamrock angekündigt. Shamrock, bei Strikeforce mittlerweile eher als Kommentator, denn als Kämpfer unterwegs, hatte keine Chance gegen den jüngeren Bad Boy aus Stockton und musste sich im April 2009, bei Strikeforce: Diaz vs. Shamrock, fast zwei Runden lang vorführen lassen, bevor er nach knapp vier Minuten des zweiten Durchgangs schließlich nach einer Diaz-Schlagserie aus dem Kampf genommen wurde. Diaz hatte den früheren UFC-Champion damit in Rente geschickt, Shamrock kündigte kurz darauf das Ende seiner Karriere als aktiver Wettkämpfer an.

Der Niedergang einer Legende

Einst war er das beste Schwergewicht der Welt, ein Name wie Donnerhall: Fedor Emelianenko. Bei Strikeforce baute er sich seinen eigenen Grabstein. Nach dem Niedergang von Pride FC und Affliction, landete der stoische Russe bei der kalifornischen Organisation. Und obwohl er seine Karriere nicht dort, sondern in der heimischen M-1-Organisation beendete, so versetzte er ihr dort doch den Todesstoß. Mit einer schockierenden Submission-Niederlage gegen Außenseiter Fabricio Werdum, und zwei darauffolgenden, herben T.K.o.s gegen Antonio Silva und Dan Henderson, war der Mythos des "Letzten Kaisers" im Jahr 2011 Geschichte. Als langjähriger Fedor-Fan ist dies die wohl bitterste Erinnerung an Strikeforce.

Martin

World Grand Prix im Schwergewicht
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie die Stimmung war, als Strikeforce den Heavyweight Grand Prix angekündigt hat. Fedor, Alistair Overeem, Fabricio Werdum, Josh Barnett, Andrei Arlovski, Antonio Silva, Sergei Kharitonov und Brett Rogers, alle haben sich auf das Turnier gefreut und schon gesagt, dass Strikeforce im Schwergewicht besser besetzt ist, als die UFC. Das Turnier lief nie so, wie es geplant war. Von der überraschenden Niederlage von Fedor gegen Silva, über das langweilige Duell zwischen Werdum und Overeem, bis hin zum Ausfall von Overeem und Ersatzmann Cormier als Sieger des Turniers. Im Prinzip ein Spiegelbild für Strikeforce seit der Übernahme von Zuffa.

Marquardt vs. Woodley
Mich hatte vor dem Kampf zwischen Nate Marquardt und Tyron Woodley vor allem interessiert, wie Marquardt nach seiner langen Pause und dann auch noch in einer neuen Gewichtsklasse zurückkehren würde, und das gegen einen Mann, den viele sehr weit oben in der Gewichtsklasse angesiedelt hatten. Marquardt und Woodley lieferten sich für mich eines der drei besten Duelle in 2012. Beide waren während der vier Runden angeschlagen, beide hatten Gelegenheiten, den Kampf zu beenden, und in der vierten Runde hat Marquardt es auch endlich geschafft. Wer den Kampf nicht gesehen hat: unbedingt nachholen!

Robert

Zuletzt fehlte es Strikeforce immer mehr an eigener Identität. Viel zu lang hat die Promotion die Zeichen der Zeit nicht mehr erkannt gehabt und landete schließlich beim MMA-Kanibalen Dana White. Dabei hat Strikeforce über Jahrzehnte grundsolide bis tolle Arbeit geleistet. Ob oder gerade im Kickboxen - später auch im MMA-Bereich. Verbinden werde ich Strikeforce daher auch immer mit einem "Zwitter" der Kampfkünste: Cung Le.

Der vietnamesische Amerikaner machte bereits Ende der Neunzigerjahre auf Strikeforce-Kickbox-Events von sich reden. Unvergessen seine spektakulären Knockouts, wie gegen Mike Altmann, den er mit einem doppelten "Chuck-Norris-Gedächtnis-Kick" ausschaltete.

Und gerade da hatte Strikeforce für mich auch seinen Platz ab 2006 in der MMA-Welt. Einen wie Cung Le brachten sie dort hinter "Gittern" und ließen ihn alte K-1/Kickbox-Rivalitäten austragen. Strikeforce stand damit im erweiterten Hauptprogramm stets für Kämpfe, die fast ausschließlich im Stand ausgetragen wurden. Kombiniert wurde das ganze mit MMA-Veteranen wie Frank Shamrock und Co.

Mit dem Aufkauf von Zuffa vollzog sich dann aber auch schnell der abzusehende Abstieg. Nachdem quasi die UFC Strikeforce käuflich erworben hatte, hätte man sich auch gleich die Kugel dort geben können. Das wäre wenigstens ein schnelles Ende gewesen, als dieser unwürdige Tod einer einst strahlenden Promotion am nordamerikanischen Kampfsporthimmel!

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