Posse um WBA-Titelverteidigung von Mahmoud Charr im Gange
Dem regulären Schwergewichtschampion der WBA, Mahmoud Charr, droht der Verlust seines Gürtels. Am Freitag soll Charr in Florida seinen Titel gegen den von Don King promoteten Interimschampion Trevor Bryan verteidigen, doch ob es dazu kommt, ist mehr als fraglich. Nachdem es ursprünglich zu Problemen mit einem Visum für Charr gekommen sei, scheint nach Lösung des Problems nun Don King bei der WBA einen Auftritt von Charr noch verhindern zu wollen, um ihm den Titel abzunehmen.
Den damals vakanten "regulären" WBA-Schwergewichtsgürtel konnte Mahmoud Charr im November 2017 mit einem Punktsieg gegen Alexander Ustinov in Oberhausen erringen. Seither ist der Wahl-Kölner im Ring nicht mehr aktiv gewesen. Angesetzte Titelverteidigungen platzten immer wieder. Vertragsschwierigkeiten, Dopingvorwürfe oder zuletzt Corona verhinderten einen Auftritt des zum damaligen Zeitpunkt noch als "Manuel" Charr agierenden Schwergewichts.
Nachdem der Weltverband WBA auf Grund der langen Inaktivität den 29. Januar als Ultimatum für eine Titelverteidigung gegen den ebenfalls seit zwei Jahre inaktiven Interims-Weltmeister Trevor Bryan stellte, ersteigerte dessen Promoter Don King die Veranstaltungsrechte für rund zwei Millionen Dollar. Seither versucht dieser, Charr Steine in den Weg zu legen. Nachdem der selbsternannte "Diamond Boy" eigenständig ein erforderliches Visum erlangen konnte, versucht King nun, bei der WBA einen Auftritt dessen noch kurzfristig zu verhindern. Hintergrund ist vermutlich die Hoffnung dessen, Bermane Stiverne, der ebenfalls von ihm gemanagt wird, gegen Bryan um den freigegebenen Titel antreten zu lassen.
Somit hätte der bereits 89-jährige Mann mit der berühmten Starkstromfrisur wieder einen Schwergewichtsweltmeister unter seinen Fittichen. Jedoch bleibt anzumerken, dass der ehemalige WBC-Champion Stiverne seine letzten beiden Kämpfe vorzeitig durch K.o. verloren hat. Die Kampfbilanz von Bryan liest sich mit 20 Siegen aus 20 Kämpfen (14 K.o.) zwar beachtlich, ein namhafter Kontrahent ist dort aber nicht aufzufinden.Verwirrung herrscht auch über den Austragungsort. Im von King angekündigten Austragungsort schien vor wenigen Tagen niemand von einem Kampf zu wissen, hier ist jedoch eine kurzfristige Verändunerung immer eine Möglichkeit.
Wie Erol Ceylan, der Promoter von Charr, gegenüber Boxen1 angab, habe King auch im Vorfeld versucht, den Kampf zu verhindern. "Man wollte nie, dass der Kampf stattfindet. Wir wurden nie als Partner wahrgenommen, es gab keine Antwort auf unsere Mails. Wir haben einen Vertrag bekommen und diesen unterschrieben zurückgeschickt, aber nie ein gegengezeichnetes Dokument erhalten. (...)".
Als wäre das noch nicht genug, hat sich nun auch Fres Oquendo in die Angelegenheit eingemischt. Bereits vor zwölf Tagen Beschwerde bei der WBA eingelegt und versucht, eine einstweilige Verfügung gegen den Titelkampf zu erwirken. Oquendo sollte im September 2018, vier Jahre nach seinem letzten Kampf, eine Titelchance gegen Charr erhalten, die jedoch nach Dopingvorwürfen gegen Charr wieder abgesagt wurde. Der 47-Jährige will feststellen lassen, dass er der rechtmäßige Herausforderer für Charr ist. Ob der juristische Vorgang tatsächlich auf einen Kampf oder doch nur auf eine finanzielle Entschädigung abzielt, ist unklar.
Es bleibt abzuwarten, wer oder ob jemand am Freitag um den schon in Vergessenheit geratenen Titel in den Ring steigt.
