Interview: Box-Profi Benjamin Simon
Groundandpound.de sprach diese Woche mit dem Berliner Profiboxer Benjamin "Ironben" Simon über seine gegenwärtige Situation, sein Verhältnis zu Robert Rolle und seine Zukunft im Boxsport. Der 29-jährige Supermittelgewichtler belegt momentan die Position 13 der IBF-Weltrangliste.
Der Berliner Benjamin Simon ist NBA-Champion. Nein, der Mann spielt nicht bei den Miami Heat in der National Basketball Association - er ist Boxweltmeister des unbekannten Weltverbandes NBA (National Boxing Association). Er kämpft Abseits des Mainstreams um Anerkennung, eine gesicherte Zukunft und neuerdings auch um seine Karriere.
Vor knapp fünf Jahren meldete sich Simon in einem Internetforum zu Wort. Er hatte einen Traum und war auf der Suche nach Informationen. Er wollte Profiboxer werden. Seine Signatur, eine Textzeile aus dem Lied "I wish" von R.Kelly, spiegelte seinen Traum vom großen Erfolg wieder: And remember we bragged on how rich we would be, to get up out this hood was like a fantasy.
Simon war nicht nur ein sogenannter „keyboard warrior“ oder „internet tough guy“ - er hatte ernsthafte Ambitionen. Nach ein paar Amateurkämpfen auf nationalem Niveau, debütierte er im Mai 2008, nur wenige Monate nachdem er mit dem Boxen begonnen hatte, als Profi - ohne echten Trainer, Manager oder Sparringspartner. Nach vier siegreichen Kämpfen gegen Aufbaugegner setzte es die erste Niederlage. Simon erkannte schnell, dass er ohne Manager und Trainer im Profiboxsport keine Chance hat und wollte seinen Traum schon wieder in den Wind schreiben. Doch dann kam das Angebot von Robert Rolle, einem Ex-Profiboxer und lokalem Promoter. Rolle stattete Simon mit einem Vertrag aus und trainierte ihn fortan. Es ging voran. Ein Jahr später gewann Simon die deutsche Meisterschaft nach GBA-Version und im darauffolgenden Jahr den IBF-Intercontinental Titel gegen den Italiener Fabio Liggieri. Es schien alles perfekt zu laufen, doch dann geriet seine Karriere ins stocken.
Simon wurde von seinem Promoter aggressiv vermarktet. Man wollte die großen Namen boxen und ganz schnell nach oben kommen. Nationale Boxgrößen wie Felix Sturm oder Arthur Abraham wurden großspurig herausgefordert. Vielen Fans gefiel dieser neue Stil nicht. Sie kannten "Ironben" als respektvollen und ruhigen Typen. Anspruch und Realität klafften zu weit auseinander. Simons Image litt unter den oft inszeniert wirkenden Auftritten. Doch damit nicht genug: Simon verletzte sich, geplante Kämpfe fielen kurzfristig ins Wasser und sein Trainer Robert Rolle konzentrierte sich auf das eigene Comeback im Ring.
Simon bestritt in den letzten 24 Monaten nur drei Kämpfe. Eine unbefriedigende Situation für den dreifachen Familienvater, der sich voll dem Boxsport verschrieben hat.
GroundandPound: Ben, vergangene Woche war zu lesen, dass du einen für den 18. November geplanten Kampf gegen Francis Cheka (26-6-1, 15 K.o.) abgesagt hast. Wieso?
Ich habe den Kampf nicht direkt abgesagt. Robert Rolle hat mir vor ca. einer Woche mitgeteilt, dass ich am 18. November gegen Cheka kämpfen soll. Ich wusste zwar etwas von einer Veranstaltung im November in Berlin, aber es gab weder Verträge noch einen konkreten Gegner. Die Vorbereitungszeit von drei Wochen war einfach viel zu kurz. Ich habe seit zwei Monaten nicht mehr trainiert. Ansonsten wäre der Kampf gegen Cheka natürlich eine gute Sache gewesen - nur eben ohne diese Vorgeschichte.
Robert Rolle reagierte enttäuscht auf deine Absage. Kannst du seinen Ärger verstehen?
Nein, ich kann seinen Ärger nicht verstehen, denn ich habe zu Robert seit ca. zwei Monaten keinen Kontakt mehr. Wenn ich von einer Person zwei Monate lang nichts höre oder sehe, dann plane ich nicht einfach über ihren Kopf hinweg irgendwelche Dinge ohne Absprache.
Hast du die Zusammenarbeit mit Robert Rolle beendet?
Ja, das habe ich. Mich haben viele Dinge gestört. Irgendwann war ich mit der Art und Weise, wie man mit mir umgegangen ist, sehr unzufrieden. Finanzielle Gründe haben auch eine Rolle gespielt. Ich habe ja keine Kampfbörsen kassiert, sondern nur einen Monatslohn, der einfach zu gering ausfiel. Ich muss drei Kinder ernähren.
Deine Fans würden dich gerne öfters und gegen bessere Gegner in den Ring steigen sehen. Dein Management konnte dir diese Möglichkeit offenbar nicht bieten. Ist das auch ein Grund für die Trennung?
Ja, unter anderem auch das. Ich hatte weder die Aussicht auf einen großen Kampf noch auf einen großen Zahltag. Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass sich das in Zukunft ändern wird.
Dein Management hat in der Vergangenheit immer wieder versucht dich sehr aggressiv zu vermarkten. Warst du mit dieser Strategie einverstanden?
Nein, das passt eigentlich nicht zu mir. Wer mich kennt, weiß, dass ich eine sehr zurückhaltende Person bin.
Vor ein paar Tagen war auch zu lesen, dass du in der Vergangenheit einen Kampf gegen Ex-Champion Ricardo Mayorga abgelehnt hast. Was kannst Du uns dazu sagen?
Ich habe den Kampf nie direkt abgelehnt. Es gab Gespräche mit Arena, aber Robert sagte mir, dass die einen Großteil der Börse (10.000 Euro) selbst einstreichen wollen. Damit war das Thema erledigt. Grundsätzlich würde ich sehr gerne gegen Mayorga antreten. Er ist in meinen Augen eine Kultfigur.
Deine K.o.-Bilanz liest sich ziemlich beeindruckend. Du konntest 22 deiner 23 Siege vorzeitig einfahren. Ist die Schlagkraft deine große Stärke?
Ja, auf jeden Fall. Allerdings zähle ich meine Kondition ebenfalls zu meinen großen Stärken.
Welche Boxer bewunderst du?
Das gibt es einige. Ich mag z.B. Miguel Cotto, Saul Alvarez und Paul Williams.
Du stehst momentan auf Platz 13 der IBF-Weltrangliste im Supermittelgewicht. Siehst du deine Zukunft in dieser Gewichtsklasse oder kannst du das Mittelgewicht noch bringen?
Das ist eine gute Frage. Ich stand schon eine ganze Weile nicht mehr auf der Waage, aber ich denke mit genug Vorbereitungszeit könnte ich das Mittelgewicht noch bringen.
Was ist dein Plan für die Zukunft? Hast du einen Plan B?
Vielleicht werde ich mich vom Boxen verabschieden. Ich sehe im Moment einfach keine Perspektive, aber vielleicht ergibt sich ja etwas aus diesem Interview. Ich bin auf jeden Fall gesprächsbereit. Momentan mache ich Urlaub in Bayern und werde mir danach noch einmal alles durch den Kopf gehen lassen.
Würdest du auch einen Wechsel in den MMA-Bereich in Erwägung ziehen?
Ja, das könnte ich mir durchaus vorstellen. Kurz bevor ich Boxprofi geworden bin, habe ich sogar ernsthaft darüber nachgedacht. Ich gucke mir fast alle großen Kämpfe an und finde MMA sehr interessant.
Gibt es etwas, dass du deinen Fans sagen möchtest?
Ich bedanke mich bei allen, die mich unterstützt und zu mir gehalten haben. Wenn Ihr Fragen oder Anregungen habt, dürft ihr mir gerne eine E-Mail schreiben. Meine E-Mail Adresse lautet: malecx(at)web.de.
